Bundeswehr-Hacker bereit zum “Hackback”

Bundeswehr-Hacker bereit zum “Hackback”

Auf der Seite von Bundesministerium für Verteidigung (BMVG) unter dem Stichpunkt Digitale Herausforderungen steht: Cyber-Angriffe auf Staaten und deren kritische Infrastrukturen sind längst schon keine Fiktion mehr“.

Das Cyberkommando der Bundeswehr könnte, im Falle eines Angriffs auf deutsche Computersysteme aus dem Ausland, einen Gegenschlag ausführen. Vorausgesetzt die Politik erlaubt es.

Derzeit herrscht noch Uneinigkeit darüber, ob und wie solche Gegenschläge konkret aussehen sollen. Laut einem Bericht des Verteidigungsministeriums ist mit Quantencomputing, als den nächsten Bedrohungsschritt, zu rechnen. Bei den kommenden, größeren Bedrohungen soll es sich um sogenanntes Quantencomputing, einer “fundamentalen Bedrohung wesentlicher kritischer Infrastrukturen”, beispielsweise im Bankensektor oder im Bahn- und Flugverkehr, handeln. Dem gegenüber könnten sich sogar die bisher eingesetzten asymmetrischen Kryptografieverfahren zur Verschlüsselung als völlig wirkungslos erweisen, warnt das Verteidigungsministerium in einem Papier.

Besonders innovativ und darum von einiger Bedeutung wäre ein Absichern von Gefechtskommandos per moderner Blockchain-Technik. Das “Hackback” stellt dabei einen wesentlichen Teil der Abschreckungstheorie dar: Demnach müsse ein Aggressor, sobald er sich zu erkennen gibt, unmittelbar die Abschreckungsmaßnahme zu spüren bekommen. Diese erstreckt sich nicht nur auf den Cyber-Bereich, sondern umfasst zusätzlich darüber hinausgehend – im Rahmen der Null-Toleranz-Richtlinie – noch weitere Maßnahmen.

Vor einer rasanten Entwicklung der Quantencomputer warnt eine Studie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Quantencomputer sind erheblich leistungsstärker als herkömmliche Rechner. So sind Prototypen von Quantencomputer 100 Millionen Mal schneller als aktuelle Computer. Die US-Konzerne IBM, Microsoft und Google liefern sich ein Wettrennen in der Entwicklung mit chinesischen Wettbewerbern wie Baidu. Die EU-Kommission legt eine “Quanten-Flaggschiff”-Initiative im Wert von einer Milliarde Euro auf, China baut gerade ein Quantenlabor für zehn Milliarden Dollar. Das lässt Böses erahnen, worauf die Entwicklung abzielt.

Am 26. April stellte die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Pläne zur Bündelung der Cyber- und IT-Fähigkeiten der Streitkräfte vor. Die Bundeswehr müsse in unser hochgradig vernetzten Welt in der Lage sein, sich selbst und das Land zu schützen, erklärte die Ministerin.

Im Abschlussbericht „Aufbaustab CIR“ von 2016 wurde die Planung ausführlich vorgestellt. Darin heißt es:

“Insgesamt soll der neue Organisationsbereich rund 14.000 Dienstposten umfassen. Derzeit umfasst die noch relativ neue Einheit rund 100 Personen. 300 Dienstposten sind dabei für das Kommando CIR sowie für zwei neue Cyberzentren vorgesehen: das „Zentrum Cyberoperationen“ und das „Zentrum für Cybersicherheit der Bundeswehr“. Sie werden gebildet aus dem bisherigen Computer Emergency Response Team der Bundeswehr (CERTBw), dem Betriebszentrum IT-System der Bundeswehr (BITS) sowie der Gruppe Computer-Netzwerk-Operationen (CNO). Bis zum Jahr 2021 soll die volle Operationsfähigkeit des neuen Organisationsbereichs erreicht werden.”

Ende April 2016 fand die größte Live-Fire-Cyber-Übung Locked Shields 2018 statt. Auf dem digitalen Gefechtsfeld ging es darum, die Netzwerke und Systeme des fiktiven Staates Berylia vor Angriffen aus dem Cyberraum zu schützen – mit Erfolgen für die rund 40 deutschen Teilnehmer an der Übung. Am Ende landet das deutsche Blue Team im Mittelfeld der 22 angetretenen Teams der NATO North Atlantic Treaty Organization. Eine Sonderwertung, Forensik, geht aber tatsächlich, wie schon in den beiden Jahren zuvor, erneut an das deutsche Team, freut sich Major Bernd Kammermeier.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wirbt um neue Rekruten im IT Bereich. Schon jetzt liegt der jährliche Bedarf der Bundeswehr beispielsweise bei rund 800 IT-Administratoren und 700 IT-Soldaten. Wer Interesse hat, sich in den Bereich Cyber-Abwehr aktiv zu beteiligen, kann sich auf der “Seite” bewerben.

Bildquelle: RoAll , thx! (CC0 Public Domain)

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